Die Mühlentour durch den Landkreis Rotenburg (Wümme)
Die Mühlengeschichte des Landkreises Rotenburg (Wümme) reicht über ein Jahrtausend zurück. Bereits im Jahre 788 wurde hier erstmals ein Mühlenbetrieb urkundlich erwähnt. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein diente den Mühlen vorwiegend die Wasserkraft als Antriebsenergie. An nahezu jedem kleinen Fluss oder Bach gab es eine Wassermühle. Von der verfügbaren Wassermenge und dem Gefälle hing es ab, welcher Wassermühlentyp gebaut wurde.
In den historischen Mühlen im Landkreis Rotenburg (Wümme) wurden verschiedene Produkte verarbeitet:
In den Kornmühlen wurde Getreide gemahlen.
Ölmühlen dienten dazu, aus fetthaltigen Samen und Früchten Öl zu gewinnen.
In Lohmühlen wurde Eichenrinde zu einem Mehl vermahlen, das als Gerbstoff bei der Herstellung von Leder Verwendung fand.
Zusätzlich zur Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten wurde die in den Mühlen umgesetzte Wasser- und Windenergie vielerorts auch für den Betrieb von Schmieden und Sägewerken genutzt. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit und der Entwicklung der Dampfmaschine gegen Ende des letzten Jahrhunderts entstanden eine Vielzahl von Großmühlen im Landkreis Rotenburg (Wümme), die von nun an in Konkurrenz mit den bisherigen Wasser- und Windmühlen traten.
Durch eine Modernisierung ihrer Betriebe versuchten die bestehenden Mühlen zunächst mit der Industrialisierung Schritt zu halten. Windmühlen erhielten effektivere Flügelformen. Bei den Wassermühlen verdrängte die Turbine zusehends das Wasserrad. Vielerorts wurden die Speicher vergrößert, die Mahlwerke modernisiert und zusätzliche Antriebsmotoren installiert. Einige besonders sehenswerte historische Bauwerke können Mühlenfreunde auf dieser Mühlenroute sehen. Alle Besucher mögen jedoch bedenken, dass die Mühlenbesitzer mit ihrer offenen Einstellung gegenüber Gästen die Entstehung der Mühlenroute erst möglich gemacht haben. Durch ein angepasstes Verhalten und vor allem durch die Respektierung der Privatsphäre sollte dieses Vertrauen bei der Besichtigung honoriert werden.
Elm

Die Holländer-Galerie-Windmühle "Henriette" in Elm wurde ursprünglich 1773 in Hamburg-Flottbeck erbaut. Nachdem sie dort nahezu 100 Jahre im Mahlbetrieb war, wurde sie abgebaut und mit Flößen über die Elbe und die Oste zu ihrem heutigen Standort transportiert und 1871 wieder aufgebaut. In den Jahren von 1979 bis 1981 wurde die damals stark baufällige Windmühle äußerlich restauriert.
Seit 1981 kümmert sich der Elmer Mühlenverein um den Erhalt der Mühle. Der Innenbereich der Mühle mit seinen insgesamt fünf Böden konnte nahezu authentisch wiederhergestellt werden. In der Elmer Windmühle gibt es nicht nur voll funktionsfähige Mühlentechnik zu bewundern. Denn in einem Gebäudeanbau, der in früherer Zeit als Mühlenspeicher diente, ist heute ein kleines Heimatmuseum eingerichtet, in dem Möbel, Kleider, Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände der dörflichen Vergangenheit ausgestellt sind. Außerdem befindet sich hier das Bäckerei-Museum. Für größere Besuchergruppen, die auch den Veranstaltungsraum des Vereins nutzen können, wird im alten Backofen Brot und Kuchen gebacken (Information und Anmeldung über Herrn Frirdich, Tel. 04761 - 4130).
Sandbostel

Die Holländer-Windmühle "Sabine" bei Sandbostel wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts errichtet. Seit der Restaurierung der Windmühle, die auch eine Rekonstruktion des gesamten Windwerks einschloss, wird das Gebäude heute als privates Wohnhaus genutzt.
Heute beherbergt „Sabine“ das Institut „Mühle“, Entspannung & Meditation, Information 04764/810236
Selsingen

Am nördlichen Ortsausgang wurde auf einem kleinen, frei gelegenen Hügel eine Windmühle erbaut. Im Jahre 1873 wurde schließlich diese Mühle abgebaut und am höher gelegenen südlichen Ortsausgang Selsingens wieder aufgebaut.
Heute ist sie dort noch zu bewundern. Erst als die Mühle ihren Betrieb einstellte, gründete sich der Mühlenschutzverein Selsingen, der bis 1983 die vom Verfall bedrohte Mühle rekonstruierte und restaurierte. Heute trägt die Windmühle immer noch Ihren althergebrachten Namen „Elisabeth“ und kann besichtigt werden (Information und Anmeldung über Herrn Müller, Tel. 04284 - 14 33).
Eitzmühlen

Bereits um 1300 wurde die Wassermühle Eitzmühlen erstmals urkundlich erwähnt. In den nun folgenden Jahrhunderten wurde die Mühle verschiedene Male umgebaut. Nachdem die Mühle ihren Betrieb eingestellt hatte und sie über viele Jahre hinweg dem Verfall preisgegeben war, erwarb 1991 der Mühlenschutzverein Selsingen das Gebäude sowie die verbliebene Mühlentechnik. Nach der Sanierung bzw. dem Wiederaufbau des Gebäudes und der Montage des rekonstruierten unterschlächtigen Wasserrades wurde die Mühle 1997 wieder eingeweiht.
Seit 1998 befindet sich im Mühlengebäude ein Café, das vom Landfrauenverein Selsingen betrieben wird. In historischem Ambiente lassen sich hier Kaffee und selbstgemachte Kuchen genießen (Information über Herrn Müller, Tel. 04284 - 14 33 oder 04284 - 83 53; Anmeldung 04284 - 92 72 62).
Kuhmühlen

Bereits vor mehr als 750 Jahren wurde der Kuhbach bei Kuhmühlen zu einem 2,5 ha großen Mühlenteich angestaut, um eine Wassermühle zu betreiben. Der Mühlenstandort war gut gewählt, da er an einer natürlichen Geländestufe liegt und somit den Einsatz eines besonders leistungsfähigen oberschlächtigen Wasserrades ermöglichte. Gegen Ende der 60er Jahre musste der Mahlbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden.
Heute beherbergt das ehemalige Mühlengebäude ein Architekturbüro. Neben der Mühle befindet sich das reizvolle Café und Restaurant "Zur Klostermühle". Der Biergarten des Restaurants lädt Besucher im Sommer zum Rasten unter Kastanien direkt am Mühlenteich ein. (Information und Anmeldung über Herrn Schwarze, Tel. 04282 - 7 84).
Bademühlen

Die Wassermühle in Bademühlen wurde 1542 erbaut. Aufgrund des groß dimensionierten Mühlenteichs und der beständig aus Mooren gespeisten Bade konnte die Mühle ganzjährig betrieben werden. Da sie über drei Mahlgänge verfügte und auch die Verarbeitung von Buchweizen möglich war, kamen die Bauern von weit her, um hier ihr Getreide mahlen zu lassen. Nach der äußerlichen Restaurierung der Wassermühle in Bademühlen wurde 1995 an der Mühle ein neues unterschlächtiges Wasserrad angebracht, das (wie auch das ursprüngliche) aus Metall konstruiert ist. Auch die rekonstruierte Mühlentechnik ist besonders sehenswert.
Die Mühle kann tagsüber von außen und innen besichtigt werden. Nach Voranmeldung und Terminabsprache mit dem Eigentümer können auch geführte Besichtigungen organisiert werden (Öffnungszeiten: Fr. und Sa. nachmittags, So. von 10-16 Uhr, Information und Anmeldung über Familie Tietjen, Tel. 04281 - 24 92).
Oldendorf

Anders als alle anderen Mühlen dieser Mühlenroute wurde die in Oldendorf zu keiner Zeit durch Wind- oder Wasserkraft angetrieben, sondern durch einen Motor. Errichtet wurde die Motormühle erst im Jahre 1913 von dem technikbegeisterten Bauern Jakob Kücks für das Mahlen des hofeigenen Getreides. Als Antrieb für die Mühlsteine diente zunächst ein Benzolmotor, der außerhalb des Mühlengebäudes stand. Anfang der 20er Jahre wurde die Mühle auf einen elektrischen Antrieb umgerüstet und war noch bis 1984 in Betrieb.
Anfang der 90er Jahre wurde das schöne Backsteingebäude renoviert und umgebaut. Seit 1996 beherbergt es das "Mühlencafé". Bei gutem Wetter können die ausschließlich selbstgemachten Kuchen auch im Garten des Cafés genossen werden (Information und Anmeldung über Frau Kücks, 04281 - 31 41).
Sittensen

Bereits um 1585 betrieb ein Mühlenpächter an der Oste in Sittensen eine Wassermühle. Wann sie genau gegründet wurde, ist heute allerdings nicht mehr nachzuvollziehen. Ursprünglich wurde das Mahlwerk der Mühle von zwei Wasserrädern angetrieben. 1986 wurde die Mühle an die Gemeinde verkauft. In den folgenden Jahren wurde sie vom Heimatverein und von vielen ehrenamtlichen Helfern liebevoll restauriert. Heute kann in der Mühle wieder das traditionelle Mahlen mit Wasserkraft vorgeführt werden. Weiterhin befinden sich im Mühlengebäude das Touristikbüro der Börde Sittensen (Tel. 04282 - 93 00 49; Öffnungszeiten: werktags 10 - 12 Uhr), das Handwerkermuseum sowie ein Standesamt, das aufgrund seines historisch-rustikalen Flairs sicherlich zu den außergewöhnlichsten Norddeutschlands gehört. (Öffnungszeiten Mühle und Handwerkermuseum: Sa 15 - 17 Uhr, So 14 - 18 Uhr und nach Vereinbarung: Tel. 04282/930053)
Scheeßel

Bereits seit dem Mittelalter existiert in Scheeßel eine Wassermühle. Diese liegt seit dem Jahr 1507 an der Wümme. Der letzte Neubau der Mühle fand im Jahr 1830 statt. Seitdem wurde die Mühle beträchtlich erweitert. In den Jahren 1884 und 1891 wurden für die drei Wasserräder zwei Francis-Turbinen eingebaut. Zeitweise besaß die Mühle einen Ölschlag sowie eine Sägerei. In der Sägerei stand lange Jahre eine Lokomobile, die mit Holzabfällen beheizt wurde und in Zeiten von Wasserknappheit auch die Mühlenmaschine antreiben konnte. Zurzeit steht die Mühle still. Ein neu gegründeter Förderverein will jedoch die Mühle als Museum bald zu neuem Leben erwecken. (Information über Herrn Müller-Scheeßel, Tel. 04263 - 300595).
Stuckenborstel

Rund um Sottrum gab es ehemals vier Mühlen, von denen heute die Wassermühle in Stuckenborstel noch erhalten geblieben ist. Diese Wassermühle liegt an der Wieste und hat ein unterschlächtiges Wasserrad. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1631. 1987 begann die Restaurierung der Wassermühle. Ein neues, stählernes Wasserrad mit einem Durchmesser von über fünf Metern wurde installiert. Nach der Rekonstruktion des Mühlengebäudes erhielt der Förderkreis Wassermühle Stuckenborstel die Anlage zur Nutzung. Nach vorheriger Absprache mit dem Förderkreis ist eine Besichtigung der Mühle möglich (Information und Anmeldung über Herrn Buthmann, Tel. 04264 - 17 86 oder Herrn Brettman, Tel. 04264 - 29 31).
Rotenburg

Wie alt die an der Mühlenstrecke in Rotenburg gelegene Wassermühle ist, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Vermutlich aber befand sich bereits 1465 auf der gegenüberliegenden Uferseite des bis heute erhaltenen Gebäudes eine Wassermühle. Urkundlich belegt ist, dass um 1600 an dieser Stelle vom Bischof Philippus Sigismund eine Kornmühle gebaut wurde. Obwohl die Wassermühle, die zunächst mit einem Wasserrad und später mit zweien ausgestattet war, im Verlaufe der Jahrhunderte verschiedene Male baulich verändert wurde, blieb der bischöfliche Wappenstein mit der Jahreszahl 1597 erhalten. Er befindet sich heute über der Eingangstür des Mühlengebäudes.
Eggersmühlen

Die Geschichte der Wassermühle Eggersmühlen beginnt im Jahr 1567.
Seit 1855 wurde die heutige Mühle erbaut, umgebaut und erweitert. Die bis 1955 betriebene Mühle ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Umgebung des Erholungsortes Fintel.
Die "Naturschutzinitiative Wesseloh" betreut seit 1998 diese Mühlenanlage. Der Antrieb der Wassermühle erfolgt über eine Turbine (Information über Annegret Steffens, Tel. 04265/1336).
Brockel

Die holländische Galeriewindmühle in Brockel gehört zu den jüngeren Mühlen im Landkreis Rotenburg (Wümme). Bevor man 1860 mit dem Bau der Brockeler Mühle begann, waren verschiedene behördliche Hürden zu überwinden. Denn die Betreiber der im näheren Umkreis befindlichen Mühlen setzten sich zunächst gegen die neue „Konkurrenz“ zur Wehr.
1895 wurde in der Brockeler Windmühle zusätzlich eine Dampfmaschine eingebaut. Man konnte von nun an auch in Schwachwindperioden mahlen. Begonnen wurde mit dem Wiederaufbau der Brockeler Windmühle in den 70er Jahren. Der Mühlenverein Brockel, dem es auch gelang, die ehemalige Dampfmaschine wieder in die Mühle zu bringen, kümmert sich seit 1993 um ihre Erhaltung. Heute ist das 23 Meter hohe Bauwerk mit seinen insgesamt sieben Stockwerken zu besichtigen. Nach telefonischer Absprache können für interessierte Gruppen Mühlenbesichtigungen organisiert werden (Information über Frau Krüger, Tel. 04266 - 94 117).
Ahausen

Die inmitten eines Waldgebietes gelegene Wassermühle bei Ahausen wurde urkundlich erstmals im Jahre 1640 erwähnt. Bereits damals gehörte die Mühle zu einem landwirtschaftlichen Gut. Das zugehörige Land war jedoch so wenig ertragreich, dass keine Steuern für die landwirtschaftlichen Erträge zu zahlen waren. Umso erfolgreicher dagegen war der Mühlenbetrieb. Die Wassermühle alleine erzielte im Jahre 1693 etwa 40 % des gesamten Steueraufkommens der Gemeinde Ahausen.
In den 50er Jahren verschlechterte sich die Rentabilität dieser Wassermühle zusehends; der Mühlenbetrieb wurde schließlich eingestellt. Die reizvolle Landschaft um die Ahauser Mühle mit ihrem romantischen Mühlenteich lädt zu einem Spaziergang ein
Federlohmühlen

Wann genau die Wassermühle in Federlohmühlen errichtet wurde, ist nicht mehr genau zu ermitteln. Zwar überreichte im Jahr 1975 die Handwerkskammer Lüneburg-Stade dem Mühlenbetrieb eine Ehrenurkunde zum 375jährigen Betriebsjubiläum; es ist aber durchaus möglich, dass die Mühle bereits vor dem Jahre 1600 existierte.
Vermutlich wurde die Wassermühle im Verlaufe der letzten 300 Jahre mehrmals umgebaut. Inschriften im Fachwerk der Mühle lassen darauf schließen. Der letzte größere Gebäudeumbau erfolgte im Jahre 1789. Für Besucher ist Federlohmühlen ausgesprochen reizvoll. Ein kleiner Nebenfluss der Wümme, der Mühlenbach, durchfließt hier ein von Wasser, Wald, Wiesen, Heide und Moor geprägtes Tal. Die ursprüngliche Anlage und Funktion der Mühle ist für jedermann noch heute leicht zu erkennen.
(Öffnungszeiten: Sa./So. 10 - 18 Uhr, Information und Anmeldung über Familie Bammann, Tel. 04269 - 10 49 44)
Grapenmühlen
Bereits um 1540 befand sich in Grapenmühlen eine Wassermühle. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurde die Wassermühle mindestens einmal neu errichtet. Das bis heute erhaltene Mühlengebäude stammt aus dem Jahr 1781.
Malstedt

Malstedt’s Wahrzeichen ist die Wassermühle an der Bever. Sie wird bereits 1132 urkundlich erwähnt. Um den Mahlbetrieb unabhängig von der Bever aufrechterhalten zu können, wurde 1912 eine Dampfmaschine mit Schornstein eingebaut. Die verschiedenen Besitzer veränderten die Mühle mehrmals. Nach der Trennung der Mühle vom benachbarten Hof wurde das noch heute sichtbare Mühlengebäude errichtet. Von dieser Zeit an wurde die Mühle elektrisch betrieben. Der Strom hierzu wurde durch den Einbau einer Turbine in den Stau gewonnen. Aus der alten Wassermühle ist heute ein modernes Futtermittelwerk geworden, das mit elektrischen Hammermühlen arbeitet (Information über Herrn Fittschen, Tel. 04762 - 80 48).



