Mi

28

Dez

2011

8500 Besucher in der Gedenkstätte

Das neue Konzept der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Veranstaltungen und Begegnungen, die aktuellen Baumaßnahmen sowie Vorhaben und Projekte für das kommende Jahr - jede Menge Themen, die Andreas Ehresmann als Projektkoordinator der Stiftung Lager Sandbostel und Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel in seinem Jahresrundbrief vorstellt. Nachfolgend ein Auszug aus der vielfältigen und lebendigen Arbeit.

Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann (r) und Lagerstiftungs-Vorsitzender Karl-Heinz Buck im März vor der „Gelben Baracke“, die zu einem Ausstellungsgebäude über die Geschichte des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB Sandbostel
Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann (r) und Lagerstiftungs-Vorsitzender Karl-Heinz Buck im März vor der „Gelben Baracke“, die zu einem Ausstellungsgebäude über die Geschichte des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB Sandbostel

Das neue Konzept der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Veranstaltungen und Begegnungen, die aktuellen Baumaßnahmen sowie Vorhaben und Projekte für das kommende Jahr - jede Menge Themen, die Andreas Ehresmann als Projektkoordinator der Stiftung Lager Sandbostel und Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel in seinem Jahresrundbrief vorstellt. Nachfolgend ein Auszug aus der vielfältigen und lebendigen Arbeit.

 

Anfang des Jahres wurde damit begonnen, die „Gelbe Baracke", der zukünftige Standort der Ausstellung zur Geschichte des Stalag X B, nach energetischen Gesichtspunkten zu einem modernen und zurückhaltend gestalteten Ausstellungsgebäude umzubauen. Anders als es der Terminus „Umbau" vermuten lässt, wurde die gesamte, nicht lagerzeitliche Baracke bis auf die beiden massiven Giebelwände abgetragen und gemäß der denkmalrechtlichen Auflagen von Grund auf neu aufgebaut.

 

Nach knapp einem Dreivierteljahr war das Gebäude bis auf wenige Restarbeiten fertiggestellt. Um die Miete für das bisher als Büro und Ausstellungsgebäude genutzte „Haus Altenberg" zu sparen, sind wir mit der Wissenschaftsabteilung, der Pädagogik und der alten Ausstellung Mitte September in das neue Gebäude eingezogen.

 

Nachdem 2008/09 die Dächer der ehemaligen Unterkunftsbaracken saniert und die gesamte bundesweit einmalige Bausubstanz gesichert wurden, begann die beauftragte Zimmerei und Tischlerei parallel zu den Bauarbeiten am Ausstellungsgebäude ab August mit der Sanierung der Fassaden. Entsprechend unseres Ansatzes im Umgang mit der historischen Bausubstanz, sind alle neuen Bauteile erkennbar.

 

Als dritter Bestandteil der Hochbaumaßnahmen bei der Umgestaltung der Gedenkstätte Lager Sandbostel wird die ehemalige „CVJM-Baracke" zu einem zweiten Ausstellungsgebäude für die Ausstellung zur Nachgeschichte des historischen Ortes umgebaut. Entsprechend unseres Zeitplanes haben wir Ende des Jahres den Bauantrag gestellt und die Rohbaumaßnahmen ausgeschrieben. Da wir bei geologischen Untersuchungen unvorhergesehen auf so genannte Torflinsen unterhalb der Fundamente der „CVJM-Baracke" gestoßen sind, mussten wir den Ablauf der Sanierung verändern. Als erste Maßnahme ist nun eine aufwändige Stabilisierung und Sanierung der Fundamente notwendig, bevor wir Anfang des nächsten Jahres mit der eigentlichen Sanierung der Baracke beginnen können.

 

Ausstellungsgestaltung
Ein wesentliches Ziel der Umgestaltung der Gedenkstätte Lager Sandbostel ist die Erarbeitung einer umfangreichen Dauerausstellung zur Geschichte und zur Nachgeschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B Sandbostel.

 

Räumlich ist die Ausstellung aufgeteilt: Teil 1 in der „Gelben Baracke" und Teil 2 in der „CVJM-Baracke". In der Ausstellungsgestaltung werden sich die beiden Teilausstellungen deutlich voneinander unterscheiden, um so den inhaltlichen Unterschied beziehungsweise den zeitlichen Bruch zu verdeutlichen. In der Grafik werden die beiden Ausstellungsteile aber in einer gemeinsamen „Sprache" gestaltet, so dass der Zusammenhang erkennbar ist. Während der Ausstellungsteil zur Geschichte des Stalag X B mit dem KZ-Auffanglager, der Befreiung und den ersten Hilfsbemühungen der Gefangenen selbst endet, wird der Ausstellungsteil zur Nachgeschichte als verbindendes inhaltliches Element ebenfalls mit der Befreiung der tausenden Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge und insbesondere den umfangreichen Rettungs- und Hilfsbemühungen der britischen Armee beginnen. Durch diese inhaltliche Überschneidung soll auch in der „Nachkriegsausstellung" immer wieder der Bezug zum historischen Ort und vor allem zu der der Nachgeschichte zu Grunde liegenden Geschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers deutlich gemacht werden.

Entsprechend des Zeitplanes war 2011 für das Ausstellungsteam um Andreas Ehresmann (Jens Binner, Dörthe Engels, Andrea Genest und als studentische Mitarbeiterin Claudia Schaaf) vollständig von der Grundlagenrecherche in nationalen und internationalen Archiven, Gedenkstätten und Bibliotheken geprägt. Zahlreiche bisher unbekannte Dokumentenbestände, Archivalien und Objekte konnten dabei eingesehen werden.

 

Mit dem Jahresbeginn 2012 wird die intensive Schreibphase für das Ausstellungsteam beginnen. Komplexe und umfangreiche Inhalte aus den verschiedenen Nutzungsphasen müssen in besucherfreundliche und lesbare Texte umgesetzt werden. In beiden Ausstellungsteilen wird es abgestufte Vertiefungsebenen geben, mit denen sich Besucher intensiver mit den jeweiligen Aspekten beschäftigen können.


Besucher in der Gedenkstätte
Im Jahr 2011 hatten wir mit über 8500 Personen wieder eine erfreuliche und im Verhältnis zum vergangenen Jahr erneut um ca. 15 Prozent gestiegene Zahl von Besuchern. Diese Steigerung ist vor allem dem großen ehrenamtlichen Engagement der Gästeführer zu verdanken, die in den Sommermonaten an allen Wochenenden die Gedenkstätte betreut haben. Hervorzuheben ist der mit 98 Jugendgruppen deutliche Anstieg von Gruppen, die im Rahmen schulischer oder außerschulischer Bildungsarbeit die Gedenkstätte besucht haben. Hinzu kommen sieben Konfirmandengruppen, sieben Lehrerfortbildungen, drei Bundeswehrgruppen und 23 andere Gruppen. Unter letzteren waren neben dem von der Stiftung organisierten internationalen Workcamp eine französische, eine ukrainische und eine russische Jugendgruppe in Sandbostel, um sich an Projekten zu beteiligten.

 

Studien- und Projekttage
Neben Rundgängen werden zunehmend Studien- oder Projekttage gebucht. Intensiviert hat sich die produktive Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband Lüneburg/Stade und insbesondere mit dem Jugendbildungsreferenten John Cramer. Viele Schulklassen wurden in der Gedenkstätte und auf dem ehemaligen Lagerfriedhof betreut.

Mit über 400 Personen annähernd gleichgeblieben ist die Zahl der Besucher, die aus dem Ausland, etwa Belgien, Estland, Finnland, Frankreich, Irland und Italien, aber auch aus Australien, Israel, Kanada, Kolumbien, Mexiko und den USA kamen.

 

Bei den öffentlichen Rundgängen, die wir jeweils fest an einem Sonntag im Monat anbieten und während der im Sommer 2011 nochmals erweiterten Öffnungszeiten an den Wochenenden, nutzten insgesamt knapp 2500 Besucher die Möglichkeit, Informationen über die Geschichte des Ortes zu erfahren. Die Zahl der Rundgangteilnehmer ist im Vergleich zu 2010 deutlich gestiegen.

Im vergangenen Jahr besuchten wieder mehrere Persönlichkeiten aus der Landes- und Bundespolitik, aus Kultur und Kirche die Gedenkstätte Lager Sandbostel. Im März informierte sich Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei einem ausführlichen Rundgang über die Geschichte des Stalag X B und den Stand der Umgestaltung der Gedenkstätte.

 

Zudem zeigte er sich sehr interessiert an der teilweise in der Öffentlichkeit formulierten Kritik am Umgang mit dem historischen Lagergelände. Stephan Kramer lobte die aus bürgerschaftlichem Engagement entstandene Stiftung Lager Sandbostel und die geleistete Arbeit in der Gedenkstätte.

2011 gab es zahlreiche beeindruckende Begegnungen mit Überlebenden und Angehörigen aus dem In- und Ausland. Diese gedachten in der Gedenkstätte und auf dem ehemaligen Lagerfriedhof ihrer Familienmitglieder, Freunde und Kameraden, die im Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager umgekommen sind.

So besuchte der 71jährige Zaudin Zhanokow aus der russischen Republik Kabardino-Balkarien am Nordrand des Kaukasus die Gedenkstätte, um an den Massengräbern auf dem ehemaligen Lagerfriedhof seines Vaters zu gedenken, der im Alter von 40 Jahren am 14. April 1943 im Stalag X B gestorben ist. Besonders bewegend war, als er ein fein säuberlich verpacktes Taschentuch hervorholte, mit dem seine Mutter in der 3200 Kilometer entfernten Kleinstadt Argudan ihre Tränen um den Ehemann getrocknet hatte. Zaudin Zhanokow legte das Taschentuch unter einem Strauch nieder, um so die Eltern im Tode zu vereinen.

 

Der Besuch dreier ehemaliger Angehöriger der polnischen Armia Krajowa (Heimatarmee), die nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im Oktober 1944 als Kriegsgefangene nach Sandbostel kamen und hier befreit wurden, hinterließ einen ebenso nachhaltigen Eindruck wie die Begegnung mit John und Ruben Koman. Die beiden Niederländer sind auf ihrer Suche nach dem Schicksal ihres Großonkels Maarten Koman, der Ende April 1945 im KZ-Auffanglager Sandbostel im Alter von 21 Jahren verstorben ist, in die Gedenkstätte gekommen. Bei ihrem Besuch übergaben die beiden persönliche Dokumente für die neue Dauerausstellung. Begleitet wurden die Angehörigen von einem Kamerateam von RTV Oost, das einen Dokumentarfilm über das Schicksal von Maarten Koman drehte.

 

Diese Zusammenstellung zeigt, dass die Gedenkstätte Lager Sandbostel von den verschiedensten Generationen als wichtiger Bezugspunkt bei der Klärung des Schicksals von Angehörigen und als Trauerort genutzt wird.


Vertrauen aussprechen

Beeindruckt vom Stand der Umgestaltung der Gedenkstätte Lager Sandbostel zeigten sich der belgische und der französische Verband ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme, Amicale de Belge (Belgien) und Amicale de Neuengamme (Frankreich), bei ihren Besuchen der Gedenkstätte im Mai und im Juni. Im August besuchte uns zudem die Stichting Meensel Kiezegem'44 aus den Niederlanden. Bei allen Besuchen zeigten sich die Überlebenden und die Angehörigen interessiert am Stand der Forschung, dem Ausstellungskonzept und der Sanierung des bundesweit einmaligen Ensembles ehemaliger Unterkunftsbaracken.

 

Wichtig für uns ist, dass die Verbände der ehemaligen KZ-Häftlinge aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden uns bei ihren regelmäßigen Besuchen stets das Vertrauen aussprechen, verantwortungsvoll und würdevoll mit dem historischen Ort umzugehen - im Sinne der Menschen, die hier gelitten haben und gestorben sind. Ein unverändert wichtiger Aspekt der Arbeit in der Gedenkstätte ist die Beantwortung von Anfragen von Angehörigen ehemaliger Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge sowie die Forschung zur Geschichte des Stalag X B. Hinzu kommen immer mehr Anfragen zu Internierten und Flüchtlingen.

 

Insgesamt beantworteten die Mitarbeiter der Gedenkstätte knapp 70 Anfragen von Angehörigen und Behörden aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Russland, Serbien, Spanien, der Ukraine und den Vereinigten Staaten von Amerika.

 

Wissenschaftlicher Austausch
Gerade in der aktuellen Phase der Grundlagenforschung zur Geschichte und Nachgeschichte des Stalag X B wurde die Gedenkstätte Lager Sandbostel 2011 mehrfach von Kollegen anderer Gedenkstätten und universitären Instituten aus dem In- und Ausland besucht, um sich über den Stand der Forschung und der Umgestaltung sowie den memorialen und pädagogischen Ansatz vor Ort zu informieren. Diese Besuche zeugen von großem Interesse und von der wissenschaftlichen Relevanz der Arbeit der Gedenkstätte.

Im Juni reiste der australische Historiker Dr. Andrew Beattie nach Sandbostel. Während seines mehrtägigen Forschungsaufenthalts im Archiv der Gedenkstätte recherchierte Beattie zur Wahrnehmung und Rezeption des britischen Zivilinternierungslagers No 2 CIC in der Öffentlichkeit.

Besonders gefreut hat uns der Besuch des renommierten israelischen Historikers Daniel Blatman im Oktober, der zu einer Lesung aus seinem beeindruckenden Buch „Die Todesmärsche 1944/45. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmordes" nach Bremervörde gereist war.

Anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 66. Jahrestag der Befreiung des Stalag X B besuchten Vladimir Kukin, der Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin, und Wolfgang Scheder, der Sachbearbeiter bei der Dokumentationsstelle Dresden der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die Gedenkstätte Lager Sandbostel. Beide nutzten die Gelegenheit, um mit Jens Binner, der für die neue Hauptausstellung insbesondere zu dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen recherchiert, über den aktuellen Stand der Forschung zu sprechen.

 

Artikel der Zevener Zeitung vom 28.12.2011

 

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